Roger Waters This Is Not A Drill - Tour 2022-2023

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    • magdalena schrieb:

      seine dystopische weltsicht finde ich gut umgesetzt in video und song.

      ob es mir gefällt...hm schrecklich,wie sie alle nur auf ihre handys starren (ist ja wirklich genauso...),ziemlich gruselige,verstörende welt,die er da zeigt....künstlerisch find ich es super.

      magdalena schrieb:

      waeller schrieb:

      Was will Roger uns mit dem Video sagen?
      menschen die nicht mehr miteinander reden,sondern nur noch mit maschinen..leere,düstere unfreundliche gebäude...lost places
      dunkle strassen,keine blume,kein baum,nur van goghs todesvögel beleben den horizont

      roger zeigt wie wir die erde zerstören,uns zerstören,abschneiden von lebendigem leben,tanzen,lachen...
      endzeitvision

      so kommt es für mich rüber ;)
      eine düstere Vision von Übermorgen!...

      Stimmungen audiovisuell aufbauen kann RW wie kaum ein Zweiter. Auch hier wieder Gesprächsfetzen, die zu diesem dargestellen Desaster passen. Da lauscht man wie immer gespannt
      und konzenriert ..... und wird mitgenommen.

      ES GIBT AUCH KEINE KINDER MEHR ( this is more than the end of the beginning )
    • Danke für den Link @waeller, ich kannte bisher nur die akustisch unbefriedigenden cell phones Mitschnitte.

      Das Video wirkt auf mich als hätten Aldous Huxley und George Orwell zusammen mit den Bewohnern von Gotham City, Batman und dem Joker unter der Regie von Stanley Kubrick eine kritisch, dystopische aber auch realistische gesellschaftliche Bestandsaufnahme aus dem Jenseits in die Gegenwart katapultiert.

      Doch zunächst zum phonetischen Part: Eine gelungene Comfortably Numb Version ohne Gitarre mitsamt sehnsüchtigem Solo konnte ich mir bislang nur schwer vorstellen, dafür mangelte es schlichtweg an Phantasie. Laut Setlist (Roger Waters – Gesang, Gus Seyffert – Bass, Synthesizer, Percussion, Gesang, Joey Waronker –Schlagzeug, Dave Kilminster – Gesang, Jonathan Wilson – Harmonium, Synthesizer, Gitarre und Gesang, Jon Carin –Synthesizer, Gesang, Shanay Johnson – Gesang, Amanda Belair – Gesang, Robert Walter – Orgel/Piano, Nigel Godrich –, Streicher, Verstärker, Zusätzlich: Backing Vocals von Roger Waters „The Wall Sessions“) ist nun doch eine Gitarre beteiligt, aber minimalistisch für walgesangsartige Effekte wie bei Echoes eingesetzt, wobei ich hier zunächst an einen Synthesizer dachte.

      Das Arrangement zu Beginn aus krachendem Gedonner, dezent, leicht verzögert einsetzendem Bass und Schlagzeug und der sich langsam in den Vordergrund pushenden, wabernden Orgel ist atemberaubend. Dann dominiert Rogers Stimme im kongenialem Zusammenspiel mit den Background Sängerinnen und später im Chorus der ganzen Band, während Harmonium/Synthesizer und Piano untermalen von Pauken- und Besenschlägen und weiterhin kräftig wabernder Orgel den Hintergrund bilden.

      Im Zwischenpart ist dann auch der Streicher wahrnehmbar, obgleich ich keine Ahnung habe welches Instrument er streicht, die Donnerkracher und die oben erwähnten Gitarreneffekte. Zwischendurch sind Sequenzen mit Blaulicht zu hören und Roger murmelt irgendetwas, das ich offen gesagt nicht genau verstanden habe.

      Den Schlusspart dominieren die wunderschönen, sirenenhaften Stimmen der Sängerinnen und wiederum Walgesänge und Donner. Es soll hier jetzt auch keine endlose, langatmige Musikrezession werden, jeder kann selbst hören, dringend zu empfehlen sind allerdings taugliche Kopfhörer.

      Ich bin sonst gar nicht so der euphemistische Typ, aber diese Komposition begeistert mich zutiefst. Beeindruckend, einfach absolut gigantisch! Waters hätte das Stück auch mit einem Micky Mouse Clip visualisieren können, es bliebe trotzdem ein Meisterwerk...


      ...Hat er aber nicht, also nun zum Video: Die zeitlupenhafte Kameraführung erinnert an den Anfang von Stanley Kubricks „2001 Odyssee im Weltraum“ nur statt Raumschiffen mit moderner, funktionaler Architektur in Gestalt von Hochhäusern, die ihre besten Zeiten lange hinter sich haben. Die graugrünlich, dunkle Beleuchtung erzeugt sofort eine beklemmende, dystopische und ausweglose Atmosphäre, die an Orwells „1984“ erinnert.

      Schwarze, dunkle Silhouetten von Menschen scheinen sich zunächst gar nicht zu bewegen, genauer betrachtet aber doch minimal. Vor allem bewegt sich die Kamera wie ein erstaunter, erschrockener und fassungsloser Betrachter durch die Szenerie. Die Leute wirken sonderbar leblos, funktional und dysfunktional zugleich, fixiert auf ihre Bildschirme, nach Anweisungen und Instruktionen lechzend, denen sie vertrauen im Gegensatz zu ihren Mitmenschen, die sie kaum beachten. Dabei erscheint doch alles straff organisiert, sie bewegen sich auf aufgezeichneten, vorgegebenen Routen...

      Vollkommen unklar bleibt warum sie dies tun, es gibt keine Geschäfte, Gaststätten oder Bars nur bedrückende, verdreckte Routen, die allerdings kaum wahrgenommen werden, weil jeder mit jedem vernetzt und trotzdem isoliert, alleine und hilflos ist. Das Individuum wirkt komplett entfremdet seiner Selbst, es dient lediglich als Konsument und Funktionalist einer höheren Macht, die instruiert und kontrolliert.

      Diese höhere Macht könnte das Schwein vor dem Vollmond in der Endsequenz sein, analog zu den metaphorischen Pigs aus Animals, also den übergeordneten Entscheidern, den Politikern und CEOs, sprich den Profiteuren des Desasters.

      Nun, vermutlich interpretiere ich hier viel zu persönlich und subjektiv, aber genau das machte Rogers und Pink Floyds Werke schon immer aus, nämlich, dass sie vielfältig und individuell auslegbar sind und keiner klaren, linearen Struktur folgen. In meinen Augen ist die Entfremdung des Individuums durch äußerliche Konditionierungen auch das übergreifende Thema, das sich wie ein roter Faden durch Waters sämtliche Werke zieht, am deutlichsten wohl auf „The Wall“.

      Abschließend ist es unnötig zu erwähnen, dass mich das Video zutiefst bewegt, es wirkt auf mich wie... tja, jetzt habe ich meine euphemistischen Adjektive alle schon aufgebraucht...es fühlt sich an wie...ja genau, es fühlt sich an wie Comfortably Numb.

      Wie auch immer, ich setze jetzt mal meine Kopfhörer auf, höre den Song in Dauerschleife und mache einen Stadtbummel quasi als Feldstudie und wehe die Menschen bewegen sich nicht genauso wie im Video...
      Enttäuscht vom Affen, schuf Gott den Menschen. Danach verzichtete er auf weitere Experimente. (Mark Twain)
    • waeller schrieb:

      Über die genaue Urheberschaft herrscht ja heute noch Uneinigkeit zwischen den beiden,...
      Gibt es da eine Uneinigkeit? Ich glaube nicht, dass Roger irgendwo bestritten hat, dass der Ausgangspunkt Davids Demo war. Die Produktion / der Sound war bei den beiden der Streitfaktor. David hätte es gern ein wenig voluminöser, Roger gern "trockener" und düsterer gehabt. Sie haben sich irgendwo in der Mitte geeinigt.