Rogers politische Aktivitäten

    • Drummerpapa schrieb:

      Boykotte treffen im Künstlerischen oft daneben.
      Naja, in Südafrika hatte es ja eine gewisse Wirkung und es ist die mildeste Form des Boykotts überhaupt. Die Menschen leiden natürlich kulturell, aber nicht wie z. B. bei den Sanktionen gegen Russland, den Iran, oder Nordkorea physisch (z. B. weil Lebensmittel nicht mehr ausreichend vorhanden sind etc.) Die Frage, die man hier stellen könnte ist: Was ist schlimmer: Wenn in Israel kein Konzert von Waters oder weniger Konzerte insgesamt stattfinden oder wenn niemand mehr über das Schicksal der Palästinenser diskutiert und sie auf unbestimmte Zeit so weiterleben müssen wie bisher. Konkret also: Wessen Interessen sind die Wichtigeren? Kulturfreizügigkeit oder gleiche Menschenrechte?

      Wie sehr sich Israel im Übrigen gegen die BDS Bewegung wehrt, sie angreift, viele Befürworter der israelischen Politik jeden BDS-Unterstützer gleich zum Anti-Semiten stempelt usw. ist für mich eher ein deutliches Zeichen, dass hier eine gewisse Wirkung sichtbar wird; eine Dünnhäutigkeit zu Tage tritt, die sicherlich auch damit zusammenhängt, dass die Weltöffentlichkeit über die Probleme in und um Israel diskutiert. Das ist für jede Regierung peinlich, da sie sich rechtfertigen muss. Die israelische Rregierung WILL sich aber nicht rechfertigen müssen, sie will die Palästinenser aus meiner Sicht weiter klein halten und über sie bestimmen.

      Ich bin sicher, den konservativen israelischen Politikern wären einzelne Konzerte in Israel, bei denen sich Künstler lediglich kritisch zur dortigen Politik äußern, viel lieber! Das würde ja kaum jemand mitbekommen. Bei den Boykott-Aufrufen an anerkannte Künstler, von denen einige sogar darauf reagieren, steht die Politik Israels und die Kritik daran nachweislich deutlich im Licht der Weltöffentlichkeit. Das ist wohl eindeutig wirkungsvoller, meinst du nicht auch?

      Drummerpapa schrieb:

      Aber trotzdem würde ich zu den Menschen gehen und mit meiner Kunst versuchen,
      Veränderungen zu bewirken.
      Siehe oben, ich glaube persönlich, dass der von mir oben beschriebene Effekt der deutlich wirkungsvollere und erfolgversprechendere ist. Wir sollten nicht naiv sein!

      Übrigens - wie Du weißt - versucht Waters ja auch genau das was du vorschlägst dort, wo das Problem zwar im Entstehen, jedoch noch nicht zur bitteren Realität geworden ist --> siehe seine mehr als deutliche Kritik an Orban, Putin, Kurz, Trump, Bolsonaro etc. Das wird aber so gut wie gar nichts bringen, befürchte ich...

      Btw, von den Künstlern, die vor Ort auftreten, werden solche Äußerungen kaum kommen. Dafür gibt es kaum Beispiele. Mir wäre auch nicht bekannt, dass sich JMJ in Israel bei einem Konzert kritisch zur Regierung geäußert hätte... (ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren!).
      Martin
      [Neccropole]

      I don't need your tongue to cut me (Roger Waters)
    • Neccropole schrieb:

      nusch schrieb:

      Oftmals ist es auch eine Kunst, verschiedene Meinungen einfach mal nebeneinander stehen zu lassen.
      Im Forum bleiben doch die unterschiedlichen Meinungen IMMER nebeneinander (oder unter- / übereinander) stehen... - das ist doch keine Kunst... ;)
      "Empörung ist negativer Narzissmus."

      Hat gestern ein Freund bei fb gepostet. Finde ich passend.
      ___________________________________________
      The band is just fantastic, that is really what I think. Oh by the way, which one's Pink?
      "Wenn Haie sterben, stirbt das Meer."
    • KatzenHai schrieb:

      "Empörung ist negativer Narzissmus."

      Hat gestern ein Freund bei fb gepostet. Finde ich passend.

      Hui, das musste ich gerade mal etwas sprachlich analysieren um den Kern treffend zu bewerten oder einzuschätzen - immerhin wird Narzissmus ohnehin negativ bewertet. Oder ist hier mit "negativ" eine Umkehrung des Begriffs gemeint? Falls ja, dann kommt jetzt ein kleiner analytischer semantischer Exkurs:

      Also, in der Umgangssprache bezeichnet man eine stark auf sich selbst bezogene Person, die anderen Menschen weniger Beachtung als sich selbst schenkt, als Narzissten. Der umgangssprachliche Gebrauch des Wortes „Narzissmus“ schließt meist ein negatives moralisches Werturteil über die betreffende Person ein. Ist das im oben genannten Sinne dann der "positive Narzissmus", also der bestätigte Narzissmus?

      Falls ja, ist mit "negativer Nazissmus" dann eine kaum auf sich selbst bezogene Person gemeint, die anderen Menschen mehr Beachtung als sich selbst schenkt und der Gebrauch der entsprechenden Beschreibung müsste dann auch ein meist positives moralisches Werturteil einschließen und dies ist dann mit Empörung gleichzusetzen? Oder ist Empörung dann eher die Folge von "negativem Narzissmus"? Dann müsste es aber auch tatsächlich heißen: "Empörung ist die Folge von negativem Narzissmus!"

      Hmm, ist irgendwie schwer aufzulösen... ?( :) Falls Letzteres gemeint ist, nehme ich das aber gerne als Kompliment und bestätige meine Empörung! :D
      Martin
      [Neccropole]

      I don't need your tongue to cut me (Roger Waters)
    • @Neccropole: Danke für direkt zwei neue Interpretationen.

      Ich war oberflächlicher: Narzissmus ist ichbezogener, lauter, selbstgerechter und selbstgefälliger Drang aufzufallen. Und wenn der "alles schlecht" (negativ) macht, wird die in social media allfällige "Empörung" draus, die Neigung, alles und überall schlecht reden, anmotzen und runtermachen zu müssen.

      Ich frag den Freund mal, wie ER es gemeint hat :)
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