Geschichten aus der Vergangenheit

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    • Geschichten aus der Vergangenheit

      Ich hoffe die Geschichte ist hier nicht schon einmal 'erzählt' worden, bzw. stößt auf Interesse!


      Dem Headliner (Pink Floyd) fehlte die Anlage, sie können nicht auftreten und prompt wird das komplette Festival abgesagt?


      Das 3. British Rock Meeting (22 & 23 Sept. 73) auf der Sandrennbahn in Altrip (bei Ludwigshafen), wurde damals relativ kurzfristig abgesagt.
      Beim Festival sollten 16 (englische und amerikanische) Bands auftreten. (u. a. Frank Zappa, Jeff Beck, Wishbone Ash, Lou Reed, die noch relativ unbekannten Genesis und eben als Headliner Pink Floyd).

      Die Musikzeitschrift POP (20/73) veröffentlichte in der Rubrik „Szene Deutschland“ folgende Meldung: Geplatzt: 3. British Rock Meeting in Altrip bei Ludwigshafen“Das für den 22. und 23. September geplante Festival in Altrip musste kurzfristig abgesagt werden. Alle Bewilligungen der Behörden waren reibungslos eingetroffen. Die Veranstalter sahen sich gezwungen, weil die Verstärkeranlagen für die Hauptgruppe, Pink Floyd nicht rechtzeitig aus den USA eingetroffen waren. Vorsichtshalber wurde das Meeting auf Pfingsten 1974 verschoben. Bereits gekaufte Tickets können an den Vorverkaufsstellen zurückgegeben werden. (Quelle POP ’73)

      Eine echt merkwürdige Begründung, zumal die Floyds schon am 29. Juni 1973 in Tampa (Florida) ihre USA-Tour beendet hatten. 30000 Plakate für Altrip 'geklebt' und Tickets bereits im Verkauft waren.

      Gab es vielleicht andere Gründe?

      Der Stern (38/Sept.73) rückt die Absage in ein ganz anderes Licht. Demnach hatte der Veranstalter Mama Concerts (Avram/Lieberberg) das Festival aus ganz anderen Gründen abgesagt.
      Amerikanische GI’s aus den US-Kasernen machten bei Konzerten im Rhein-Main-Gebiet ca. 50 – 70% der Besucher aus. Die Zusammenarbeit zwischen Armee und deutschen Veranstaltern war perfekt organisiert. Tausende von Karten wurden stets vorab von Armee eigenen Vorverkaufsstellen geordert. Plakate in Kasernen platziert, Werbedurchsagen über den US-Sender AFN geschaltet und Bustransfers Kaserne – Festivalgelände angeboten. Alles hatte immer reibungslos funktioniert. Bis Ende August 1973.
      Da hatte Brigadegeneral Easton Weisung gegeben die Teilnahme Armeeangehörigeran deutschen Rock-Rockkonzerten in Zukunft zu erschweren. Grund war die Analyse eines anderen Rock-Fastival durch einen amerikanischen Armeeausschuss. Dieser hatte eine Veranstaltung, die Ende Juli 73 im Frankfurter Radstation stattgefunden hatte (Sly Family Stone, Faces, Black Sabbath und mehr), genauer unter die Lupe genommen.
      Ca.14000 GI’s hatten die Veranstaltung besucht und wohl 'richtig gefeiert'. Unter anderem mit reichlich Drogen. Allein 40 klinische Fälle von schwerem Drogen Missbrauch. Zudem hätten „armselig gekleidete Soldaten, wie eine Horde Landstreicher, als Anhalter, Frankfurts Autobahnen unsicher gemacht. Das Bild des sauberen Amerika, welches stets vermittelt werden sollte, sei zerstört.
      Außerdem verbreiteten US-Offiziere das Gerücht, Soldaten die das Festival besuchen, müssten mit Disziplinarstrafen rechnen. Und, falls das Festival stattfinden würde, würde parallel dazu, ein Manöver angesetzt.

      Mama Concerts entschloss sich darauf hin das Festival abzusagen. Lieberberg: „Ohne unser amerikanisches Stammpublikum wäre der ganze Aufwand für die Katz“.
      Das Festival sollte auf ein Wochenende im Mai 1974 (Pfingsten) verschoben werden. Genau vor den US Memorial Day, da finden bei den Truppen keine Übungen statt. (Quelle Spiegel 38/73)

      Das 3. British Rock Meeting hat nie stattgefunden.


      Siehe auch im Netz: Heimat- und Geschichtsverein Altrip e. V. (mit Festivalplakat) und Spiegel online (Sorry weiß nicht ob ich hier verlinken darf)